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Geschichte des Grabmals Moderne Bestattungsformen Warum ein Grabmal?
Die individuelle Grabgestaltung nimmt in der Trauerverarbeitung eine bedeutende Rolle ein.
Die Geschichte des Grabmals

Das Grab ist das „Haus der Toten“ – so sah es der Mensch seit jeher. Es ist das letzte Obdach für den gewesenen Menschen und Stätte der Erinnerung für die Lebenden. Am Grab stehen wir am Ort des endgültigen Abschieds und zugleich der ewigen Verbindung zum Toten. Hier ist der Mensch über seinen Tod hinaus "spürbar".

Schon früh kennzeichnete man das Grab als solches. Der späte Homo erectus vor 500.000 bis 300.000 Jahren verwendete dafür Steine und Zweige. Seit Beginn der Sesshaftigkeit des Menschen machten aufrecht stehende Steine, überhaupt Monumente aus dauerhaftem Material, die Gräber sichtbar. So ist es bis heute geblieben. „Friedhofsmoden“ kamen und gingen, doch stets favorisierte man das Beständige, den „festen“ Bezugspunkt für den letzten Dialog.

Historsiches Grab auf einem Mannheimer Friedhof
Wir kennen die romantischen Friedhöfe des 19. Jahrhunderts mit ihren Alleen und prachtvollen Grabdenkmälern, die spätmittelalterlichen Gottesacker im Schatten der Dorf- und Stadtkirchen, die Waldfriedhöfe der Zeit um 1900, die Soldatenfriedhöfe beider Weltkriege und die modernen Totenstädte – Friedhöfe und Grabstätten sind immer auch Spiegelbilder der jeweiligen Zeit und der gesellschaftlichen Sozialstruktur.

Der Umgang mit Sterben und Trauer bildete früher einen festen Bestandteil unseres Verhaltenskodex. Der Tod war präsenter, und das schon zu Lebzeiten. Beispielsweise erhielten junge Brautleute das Totenhemd als Geschenk. Dieses „letzte Hemd“, das bekanntlich keine Taschen hat, erinnerte an die Endlichkeit des Lebens.

Die häusliche Aufbahrung war die Regel, trotz räumlicher Enge und hygienischer Mängel. Zahlreiche Bräuche und Trauerrituale begleiten die Stationen vom Sterbehaus zum Friedhof, Trauer wurde demonstrativ zur Schau gestellt und alss gesellschaftliches Ereignis rezipiert.

Repräsentative Grabdenkmäler und floraler Schmuck spielten eine große Rolle, vor allem beim Bürgertum. Noch heute leben historische Friedhöfe von den erhaltenen, teils bis in die Gegenwart genutzten Familiengrabstätten.

Die Friedhofsreformen um 1900 führten dazu, dass zunehmend normierte Standardgräber das Erscheinungsbild der „letzten Orte“ bestimmen. Die effiziente Nutzung der Bodenfläche trat in den Vordergrund. Gleichzeitig setzten sich immer stärker industriell gefertigte, standardisierte Grabsteine durch. Die angeordnete Flächeneffizienz zog in den darauf folgenden Jahrzehnten eine Zunahme von Urnengräbern nach sich.

Eine individuelle Grabsteingestaltung ist Ausdruck des Bedürfnisses, die Individualität des Verstorbenen über den Tod hinaus darzustellen und zu erhalten.
Heute geben die örtlichen Friedhofssatzungen Maße, Materialien und Bearbeitungsweisen eines Grabmals genau vor. Individualität darzustellen, also den Verstorbenen in seiner Einzigartigkeit zu ehren, ist durch die Wahl von Farbe und Form des Grabsteins, Schrifttyp, Symbolik (Kreuz, Ähre etc.), Sinnspruch, Fotobild und Bepflanzung möglich. Wichtig ist das emotionale Berühren: Das Bild eines zarten Schmetterling am Grabstein eines symbolisiert eine furchtlose, junge Seele. Ein schroffer Grabstein und ein dargestellter Wanderstock stehen für die Begeisterung eines Verstorbenen für das Bergwandern. Das Lieblingsgedicht eines Menschen auf seinem Grabstein wirkt über den Tod hinaus.

Noch im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts waren Grabinschriften weitaus ausführlicher als heute und gaben neben Namen und Lebensdaten der Toten auch Auskunft über nähere Lebensumstände, Verwandtschaftsverhältnisse, Berufe oder Todesursachen, oft ergänzt durch einen Bibelspruch. Der Verstorbene blieb auf diese Weise weiterhin als Mensch und Individuum „erfahrbar“ – auch für Fremde. Inzwischen sind diese alten Grabmäler bedeutende historische und erhaltenswerte Zeugnisse der Friedhofskultur.

Beispiel einer anonymen Streuwiese: die Trauernden suchen den Ort des Verstorbenen wieder und markieren die Stellen, an denen die Asche vermutlich verteilt wurde.
Gerade die Beobachtung an Kindergräbern zeigt, dass die Angehörigen heute wieder nach einer individuelleren Grabgestaltung wie überhaupt nach einem „besonderen“ Ort der persönlichen Trauer verlangen. Anonyme Gräber (Rasenfriedhof, Urnensammelstelle, Grab der Einsamen) liegen zwar im Trend, resultieren aber oft nur aus dem Wunsch vieler Alleinstehender, später „nicht zur Last“ zu fallen. Unsere Zeit tut sich schwer mit dem Tod und seinen Zeichen.

Der Wunsch, ein persönliches Grabmal für einen geliebten Menschen zu gestalten, sollte ernst genommen werden. Ein Stein markiert einen festen und vertrauten Ort der Trauer – und irgendwann des Loslassens. Und je mehr ein Grabmal vom Toten und dessen Leben erzählt, desto bleibender und letztlich tröstlicher ist die Erinnerung. Unsere Gesellschaft braucht wieder „sprechende Steine“.

Individuelle Grabgestaltung ist heute in vielfältiger Weise möglich, Steinmetzbetriebe stehen hier beratend zur Seite.
Steinmetzbetriebe stehen hier beratend zur Seite und suchen gemeinsam mit den Angehörigen nach Möglichkeiten, die Erinnerungen und Gefühle gestalterisch umzusetzen.

Auch wenn ein Mensch alleine ist, ist sein Andenken wert, gesehen zu werden. Ein steinernes Grabmal ist darüber hinaus Ausdruck einer kollektiven Sensibilität. Ein steinernes Grabmal kann im Übrigen so gestaltet sein, dass es keiner ständigen Pflege bedarf.

"Der Tod gehört zum Leben", sagten die Alten, und meinten damit auch, dass der Tod für die Lebenden sichtbar bleiben muss im Sinne von Würdigung und Mahnung. Die Schau auf den Tod führt uns die eigene Lebenszeit als unsere kostbare Ressource vor Augen.
Fragen zum Thema Grabmal und Bestattung:
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